Bericht Vereinsausflug 2020

Der Vereinsausflug stand heuer natürlich unter dem Zeichen von Corona. Daher fanden die Planungstreffen schon passenderweise per Videokonferenz statt. Zunächst hatten wir nach mehreren Umplanungen beschlossen, dass wir nach Kroatien fliegen -, und von dort aus dann Tagesausflüge machen wollten.
Eine Woche vor Abflug stellte sich dann heraus, dass Serbien ein Hochrisikogebiet ist. Also umdisponieten und erstmal Richtung Italien losfliegen. Natürlich immer unter dem Vorbehalt dass wir über die Alpen kommen. Bodo wollte auch gleich noch seine neu erworbenen Enroute IFR Kenntnisse ausprobieren. Abflug war für den 1.8.2020 gleich morgens geplant. Beide Cessnas und die Mooney wurden gebucht.

Und so sah es dann auch gut aus:
Am 1.8. sollten die Alpen frei sein, also legten wir als Optionen Venedig Lido LIPV, alternativ Elba, als Ziel fest. Am nächsten Tag sollte es dann weiter nach Frankreich gehen, da vom Osten her über Italien ein Regengebiet kommen würde und auch die Alpen die nächsten Tage nicht mehr offen sein sollten. Also trafen wir uns am 1.8.2020 gegen 8:00 am Platz, um die Flieger klarzumachen. Schwimmwesten und Reserveöl wurden gepackt, die PICs planten ihren Flug zum ersten Zwischenstopp Trento LIDT, die PNF füllten die Tanks auf. Kurz nach 9:00 ging es dann auch ungewöhnlich pünktlich los, um 9:30 war die erste Cessna airborne. Die anderen Flieger folgten im Abstand, die Mooney bewusst etwas später.


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Vor dem Start in EDQH

Wie geplant konnte Bodo gleich am 1. Tag seine neu erworbenen Enroute IFR - Kenntnisse zum ersten mal ohne Fluglehrer nutzen und Volker zum ersten mal seine IFR-Funklizenz (AZF) in der wirklichen Welt anwenden: Also wurde per autorouter.aero der Flightplan zusammengestellt. Start und Landung nach VFR, und dazwischen eine möglichst lange Strecke als IFR.
Nach längerem Herumexperimentieren mit autorouter.aero, stellte sich jedoch heraus, dass zum Alpenüberflug nach IFR mindestens FL150 nötig wäre. Bei der Höhe ist aber extra Sauerstoff  Vorschrift (bis FL140 geht bis maximal 30 minuten auch ohne). Da wir keinen Sauerstoff in der ERSL haben, mussten wir uns dann mit einem IFR-Leg in FL110 von ein paar Meilen, südlich EDDN bis kurz vor LOWI (Innsbruck) begnügen. Die restliche Strecke würden wir dann VFR über den Brenner fliegen.


Fast genau so sind wir dann auch geflogen (https://www.autorouter.aero/track/133770RL28). Nach einer kleinen Irritation beim IFR – Pickup, ging es also auf Strecke und kurz vor Innsbruck machte uns der Radar-Controller aufmerksam, dass wir jetzt langsam den IFR-Teil des Flightplans canceln müssten.
Volker fand zwar nicht gleich die passenden Worte, da beim AZF Training und auch bei der Prüfung die Y und Z Flugpläne nicht wirklich geübt werden. Aber auch diese Hürde wurde dann genommen, und der Airspace C von EDDM in FL90 problemlos durchquert. Hier hatten wir dann auch die ERWL auf der Frequenz, die das gleiche in FL100 tat. Im weiteren Annähern hatten wir dann auch Sichtkontakt auf die  knapp über uns fliegenden Cessna. Der folgende Steigflug brachte uns dann auf FL125. Hier flogen wir um einige etwas höhere Cumulus Wolken herum, und Innsbruck Radar war relativ busy mit einigen VFR Alpenüberquerern neben uns, die sie versuchte zu koordinieren. Der VFR-Teil nach Trient war dann nach dem Brenner im Sinkflug mit gut 180 kts IAS (fast 220 kts GS= 400 km/h) schnell vorbei und wir sind wohlbehalten in Trient gelandet. Im kurzen Abstand folgten die Cessnas.

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Anflug auf Trient


Tanken konnte man alle Spritsorten und wir planten den Weiterflug, Elba fiel auf Grund der deutlich längeren Flugstrecke und über dem Mittelmeer hängenden Wolken aus, so dass wir uns auf Venedig festlegten. Diesmal startete die Mooney als zweites und machte noch einen kleinen Schlenker über den wunderschönen Gardasee. Allerdings wäre so ein Fliegerausflug auch zu schön gewesen ohne ein FADEC Problem und so hörten wir wenige Minuten nach dem Abflug des ERPL auf der Intercomfrequenz, dass die Kollegen ein Problem mit einem blinkendem FADEC Licht hatten. Sie entschlossen sich zum Umkehr nach Trento, Mooney und ERWL setzten aber in Rücksprache und Übereinkunft mit den Kollegen den Flug nach Venedig fort. In Trento sollte eigentlich das FADEC des ERPL ausgelesen werden, diesmal hatten wir den Laptop und das Kabel dabei! Allerdings machte der Akku nach monatelanger Nicht-Benutzung noch vor dem Auslesen die Grätsche. Also  ging es nach Trento, Unterkunft gesucht, Laptop ans Ladekabel und ab in den Biergarten.

Der Rest setzte nach Venedig Lido fort und ERWL überholte beim Einflug in die Kontrollzone von Venedig Tessera auch noch die Mooney, die eine Warteschleife mehr fliegen musste. Beide landeten auf der guten Graspiste in LIPV im Abstand von zwei Minuten.

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Anflug auf Venedig


Ein schönes Hotel nahmen wir gleich am Lido und ab ging es ins kühle Nass. Nach der Abkühlung dann mit dem Vaporetto nach Venedig. Coronabedingt war eher wenig los, aber nicht leer. Wir suchten uns ein Restaurant, wo man aktuell dringend Gäste suchte und es gab Pizza, Pasta oder Steak.
Morgens gab es kurz Regenschauer, allerdings kam vom Osten her mehr. Also planten wir den Weiterflug und entschieden uns für den Flug gen Westen nach Cannes. Dies kommunizierten wir mit den Kollegen in Trento. Die Cessna sollte einen Zwischenstopp in Parma machen für einen Pilotenwechsel, die Mooney entschied in gut zwei Stunden durchzufliegen. Beide Flugzeuge starteten im Abstand von wenigen Minuten.
Die Kollegen in Trento konnten nun mit vollgeladenem Laptop das FADEC auslesen, das eine Übertemperatur kurz nach dem Abheben anzeigte. Wahrscheinlich war die Maschine nach dem langen Flug nach Trento noch heiß. Der Turnaround und das Refueling war kurz und bei hoher Temperatur führte der Steigflug bei voller Leistung anscheinend zu der Übertemperatur. Sonst wurden keine Fehler gefunden und es wurde nur etwas Kühlmittel nachgefüllt. Der Start war nun problemlos möglich und somit machte ich auch die dritte Maschine auf den Weg nach Cannes.

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Unsere Mooney ERSL


Die Mooney umflog den Appenin im Norden, zwischen den Bergen und den im Norden hängenden und zunehmenden Wolken. Bei Genua drehten wir Richtung Küste und folgten dieser dann. Generell wollen die italienischen Controller auch VFR immer gerne selbst ausgesuchte Wegpunkte wissen, einschließlich der ETA dort. Das sind gerne die Pflichtmeldepunkte von Kontrollzonen, und bei der Ankunftszeit hilft einem heute zum Glück das iPad weiter. Bei der Übergaben an die französische Controllerin wurden wir auch gleich gebeten auf 1000ft zu sinken um der Küste langzufliegen. Dies ist auf ausgewiesenen VFR-Routen möglich.
 
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Monte Carlo


Leider wurden wir nach dem Sinkflug auch gleich wieder zum Steigen angewiesen. Eine Sicherheitslandung eines Verkehrsflugzeugs in Nizza machte unseren Durchflug unmöglich. Daher ging es nochmal auf 5000ft, um oben über die Berge und das NIZ VOR obenherum zu fliegen. Dadurch blieb uns zwar der Blick von der Küste verwehrt, aber v.a. auf Monte Carlo hat man auch von oben einen tollen Blick. Weiter ging es über das Hinterland auf einen Direct Approach auf die 17 zwischen mehreren Privatjets. Also die Mooney erst spät verlangsamt und dann gelandet. Zur Abstellposition zwischen den Privatjets und Helikoptern. Trotz Corona Krise, scheint da der Markt noch nicht eingebrochen zu sein. Die Cessnas folgten im Stundentakt. Zuletzt hatte es erfreulicherweise auch der ERPL aus Trento noch geschafft.

Dann ging es mit dem Taxi in die Stadt. Bei der Hitze natürlich wieder an den gut überfüllten, öffentlichen Strand, mit Blick auf die Yachten und den Heliport am Pier. Dieser hatte auch guten Verkehr aufzuweisen. Abendessen war dann wieder südfranzösisch und lecker. 3-Gänge Menü  und die Strandpromenade bei Nacht beleuchtet und eindrucksvoll. Am nächsten Morgen gab es ein typisch Südfranzösisches Petit Déjeuner, bestehend aus einem Croissant, einem Espresso und einem Orangensaft.

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Am Strand von Cannes



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petit-déjeuner


Am Flugplatz wurde bei ERPL nochmal Kühlmittel nachgefüllt und die Planung nach Lyon oder Dijon gemacht.

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Kühlmittel für die PL


Wir besprachen, dass wir je nach Wetter und den Abkürzungsmöglichkeiten sowie dem Wind und dem Wetter in Lyon entweder einen Stopp einlegen´- oder direkt durchfliegen würden. Daher starteten die Cessnas zuerst, die Mooney mit einer guten halben Stunde Verzögerung. Der Flug ging eindrucksvoll über die Berge hinter Cannes dann tatsächlich direkt ins Rhônetal und über die zunehmenden Kumuluswolken stiegen die Flieger im Verlauf auf FL125.

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Insgesamt eine Eindrucksvolle Szenerie. Erst die Berge - dann die Wolkenlandschaft. Auf dem COM2 standen wir auf einer Kommunikationsfrequenz untereinander in Verbindung und beschlossen dann bei gutem Treibstoffvorrat, günstigem Wind und eher schlechtem Wetter in Lyon, aber gutem in Dijon, direkt durchzufliegen. Als ob es geplant gewesen wäre, trafen nun alle 3 Flieger fast zeitgleich dort ein und landeten im Abstand von 2 Minuten auf dem großen ehemaligen Militärplatz.



Mit dem Bus geht es jetzt in die Innenstadt, die nun mit den Fachwerkhäusern schon fast fränkische Gefühle aufkommen lässt.

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Wieder ein schönes Hotel gefunden, durch die Stadt, vorbei am Senfladen von Maille...

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...und wieder ein leckeres französisches Menü. Gewagte probierten nun als Vorspeise die Weinbergschnecken, eine eher spezielle Delikatesse (Konsistenz: Tintenfisch, Geschmack: Kräuterbutter).

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escargot de Bourgogne


An nächsten Tag beschlossen wir den Rückweg Richtung Osten anzutreten, als Zwischenstopp kamen Colmar oder Straßburg in Frage. Colmar fiel wegen Wolken und Regen über dem südlichen Schwarzwald aus. Daher planten wir das kurze Leg nach Straßburg.
Zunächst ging es über und zwischen immer mehr werdenden Kumuluswolken immer höher. Über den Bergen vorm Rheintal hingen nun doch gut hohe Wolken, so dass  die Flieger entweder obendrüber, nördlich vorbei oder durch eine Wolkenlücke ins Rheintal einfliegen mussten. Über Straßburg dann wieder CAVOK, so dass die Landung problemlos möglich war, auch wenn die Cessnas einige Schleifen wegen eines fraglichen Gegenstands auf der Piste drehen mussten.

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Anflug auf Straßburg


Mit dem Zug nach Straßburg, ins wiederum schöne Hotel. Eines zu finden, ist aktuell in Corona Zeiten zum Glück nicht schwierig. Nach einer ausgiebigen Tour durch die wunderschöne Innenstadt und zum beeindruckenden Münster.

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Das Münster von Straßburg


Danach trafen wir uns im Restaurant. Jetzt kam die elsässische gut bürgerliche Küche zum Tragen: Mit Würsten und Fleisch auf einem riesen Berg Chroucroute (Choucroute garnie).

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Nachts noch ein Absacker vor dem Münster, wo eine phänomenale Licht und Lasershow auf die Fassade des Münsters stattfand. Besser als ein Feuerwerk!

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Am letzten Tag, dem Mittwoch morgen, hieß es Abschied nehmen von der schönen Stadt  und mit dem Zug zum Flugplatz- Leider war keiner kein Mitarbeiter am GAT Schalter, zum Zahlen der Landgebühren. Hier kam nun wieder das schon bewährte Yaesu Handfunkgerät zu Tragen. Eine kurze Kommunikation mit dem Tower noch von außerhalb, ließ uns wissen, dass sie geschlossen hätten (wenig los wegen Corona?) und wir eine Rechnung geschickt bekämen. Zu den Fliegern und direkt auf den Heimweg gemacht. Die ERWL Crew plante noch einen Zwischenlandung in EDFE Egelsbach ein. Leider war das eigentlich avisierte Restaurant dort geschlossen.

Für die Mooney Flieger stand am letzten Tag  nochmal IFR - Fliegen auf dem Programm: Es sollte von Straßburg zurück nach EDQH gehen (https://www.autorouter.aero/track/134442szyU).
Diesmal waren keine Alpen im Weg, sodass wir den Flugplan auf FL060 einreichten. Teilweise wegen des Gegenwinds in größere Höhe, aber auch in der Hoffnung, mal ein paar kleine Cumuluswolken (ca 2/8  - ⅜) zu durchfliegen. Auf FL060 angekommen, waren die Wölkchen doch noch ein bisschen höher. Bevor wir aber selbst FL070 requesten konnten, fragte der Radarkotroller uns genau danach, was wir sofort bestätigten. Ab FL070 gings dann also von Wolke zu Wolke bis kurz vor EDQH. So faszinierend es ist, durch die Wolken zu fliegen, so anstrengend ist das aber auch.
Ohne Autopilot wäre das bei mehr als ⅜ Wolken, wohl auf die ganzen Strecke für den Piloten- der ja jetzt permanent auf die Instrumente starren muss- aber auch für die Mitflieger, für die sich das wie eine Schotterpiste mit vielen Schlaglöchern anfühlt, sehr anstrengend.
Im Laufe der nächsten 2 Stunden waren dann alle Maschinen und alle Piloten wieder am Platz. Glücklich aber auch müde und ganz froh, jetzt für ein paar Tage erst mal kein Yoke mehr in der Hand zu haben.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, dann mit vollgeladenem Laptop und neuem Akku für das Auslesen des FADECs.

Volker Melichar. (August 2020)