Bericht vom Vereinsausflug 13.8. – 17.8.2017


Ein Novum war bereits die Planung:  Da sich keine Crew für die Mooney D-ERSL fand, planten wir zum ersten Mal unsere kleine Czech Cruiser PS28 D-EMNA mit auf die Reise zu nehmen. Zusätzlich dabei natürlich unser bewährter D-ERPL. Dieser Umstand brachte neue Herausforderungen auf Grund der zulässigen Zuladung mit sich. Das Gepäck wurde noch mehr eingeschränkt und wurde vollständig im ERPL untergebracht, die EMNA konnte nur mit gut 50L betankt werden, was die Länge des einzelnen Legs auf ca. 2h begrenzte. Zusätzlich erhielten wir noch Begleitung von einer privaten Mooney M20 von drei Fliegerclubkollegen.

Der Abflug, der ursprünglich auf dem 12.8. geplant war, wurde auf Grund des Wetters auf den nächsten Tag verschoben. Auch am 13.8. noch Wolkenbehangener Himmel, eine direkte Alpenüberquerung war auch nicht möglich, weder in der Höhe, noch durch die Täler. Wir warteten erst mal eine gewisse Wetterverbesserung bei einer Pizza ab und checkten das Aufklaren des österreichischen Gafors. Schließlich fiel die Entscheidung über Zwischenstopp in Wels an Wien und an den Alpen vorbei nach Maribor zu fliegen.
 

Los ging es gegen Mittag bei noch verhangenen Himmel und wir hangelten uns unterhalb der anfangs noch 2000ft AGL hängenden Wolken Richtung Osten. Bereits bei Straubing hob sich die Wolkendecke und wir wechselten auf die österreichische FIS. Anflug auf Wels, die relativ knappe Platzrunde in Wels mit praktisch fehlendem Queranflug und der ERPL setzte auf die lange Landebahn auf. Auftanken und weitere Flugplanung, nun wurden auch die Flugpläne für Maribor aufgegeben.
 Die Flieger in Maribor
Die drei Flieger in Maribor


EMNA in Wels
Unsere EMNA in Wels




Nach dem Abflug in Wels taten sich nun größere Wolkenlücken auf, so dass alle Flieger den Cloudbreak schafften und auch die nicht-turbogeladene EMNA schlug sich wacker und hangelte sich auf 10000ft. Nun bei Sonnenschein on top konnten wir direkt nach Süden Richtung Maribor abdrehen und sparten uns so nochmal den Umweg um Wien. Graz blieb links liegen und schon übernahm der Slovenische Radar, viel Verkehr war ja nicht unterwegs und man ließ uns staight-in auf die 15 nach einen Überflug der Stadt. Die Mooney musste kurz die Bremsklappen ziehen, um die Höhe und Geschwindigkeit abzubauen, aber auch die EMNA folgte kurz nach dem ERPL. On blocks und verzurrt für die Nacht waren wir zu dem Zeitpunkt die einzigen Flieger auf dem int‘l. Flughafen. Mit dem Taxi gings zum Hotel und in die Stadt. Die leckere Grillplatte war nun hochverdient und wir ließen den Abend bei einer Flasche Wein ausklingen in der wunderschönen aber weitgehend touristenleeren Stadt in der slovenischen Steiermark.
 

Bereits am Vorabend hatten wir festgestellt, dass für Kroatien ein Ausweis notwendig ist (nicht-Schengen) und ein Fliegerkollege diesen leider vergessen hatte. Also flogen zwei mit der EMNA nach Ljubljana, der ERPL setzte fort über Zadar nach Dubrovnik. Für die EMNA war es nur ein kurzer Hüpfer von einer halben Stunde, mit einer netten Runde noch über die Slovenischen Alpenausläufer. In Ljubljana war nun mehr los und wir mussten ein paar Runden außerhalb drehen, bevor man uns landen ließ. Mit dem Bus ging es in die entspannte Stadt, die übrigens ein regelrechtes Hipsterparadies ist, so viele Vollbärte sind außer in Berlin nur selten zu sehen.
 

Montag der 14.8. ist Mariä-Himmelfahrt. Im streng katholischen Slovenien natürlich ein Feiertag, so dass wir schon befürchteten noch einen Tag länger gestrandet zu sein. In ganz Slovenien? Nun, die meisten Botschaften waren geschlossen, so aber nicht die Deutsche! Für die Botschaftsangehörigen gilt zu deren Missmut die heimatliche Feiertagsregelung und das säkulare Deutschland hat sich schon vor Jahren von dem Feiertag entledigt. Nun waren wir eine der ersten in einer langen Schlange von Kroatien-Reisenden ohne Ausweispapiere und hielten schon um 11:00 einen Ersatzausweis in Händen.
 

Nach dem Tanken, nun von gutem, verbleitem Avgas setzten wir den Flug fort, zur slowenischen Küsten und dann der kroatischen Küste entlang. Die Controller setzten uns auf die am weitesten außen (landfern) gelegene Adria VFR-Route, was uns ein wunderschönes Bild der wie eine Perlenkette aufgereiten Inseln und Inselchen bescherte. Wunderschöne 2,5 Stunden betrug das erste Leg nach Brac. Die Controller nahmen uns früh relativ tief herunter und forderten dann Aerodrome in Sight zu melden, was vom Norden unmöglich war, da der Flugplatz relativ hoch auf der Insel hinter einem Berg versteckt war. Der Anflug von Osten auf die lange, leicht ansteigende Landebahn war unproblematisch und eigentlich war nur ein Auftanken geplant.
 

Wäre da nicht beim Setzen der Parkbremse ein Bremsschlauch vom Pedal gerutscht. Geistesgegenwärtig schlüpfte jedoch der schlanke Pilot unter das Panel und rekonnektierte den Bremsschlauch ohne allzu großen Bremsflüssigkeitsverlust. Aber trotzdem der Schock: Zunächst wenig Bremswirkung auf der rechten Seite und der größere Schock: Keinerlei Flugzeugtechnik in Brac! Was sollten wir tun? Nach einigen Telefonaten prüften wir die Bremsen erneut und stellten fest, dass sich die Luft in einem Reservoir an den PIC-Bremspedalen gesammelt hatte und der Bremsdruck wieder voll da war. Nach einigen Bremsversuchen stand fest, dass wir den Flug fortsetzen können und so ging es weiter nach Dubrovnik. Weiter über die Perlenketten an Inseln, westlich an der weltberühmten Altstadt vorbei auf die 30 von Süden her. Flieger getankt und abgestellt waren wir wieder mit dem Rest der Truppe vereint. Diese hatte bereits einen zusätzlichen Badetag in Dubrovnik genossen, gemeinsam erkundeten wir die eindrucksvolle, nun aber von Touristen völlig überfüllte historische Altstadt. Nach einem leckeren Abendessen ging es zu einem netten Hotel am Strand.


Fixing the brakes in Brac
Fixing the brakes in Brac


Koatische Inseln 2
Kroatische Inseln 


Nach einem morgendlichen Bad und Frühstück ging es zurück zum Flughafen, nun sollte es zurück über Zadar zum Balaton nach Ungarn als letzten Aufenthalt gehen. Die Crews wechselten, wir gingen zu dritt in den ERPL. Problemloser Start in Dubrovnik und auf Richtung Norden. Wir requesteten nun die weiter landinnen liegende Adria-Route um mal was anderes zu sehen. Wiederum eindrucksvolle Views über die Inseln aber auch das steil ansteigende Küstengebirge. Hier mussten wir schrittweise auf 5000ft steigen um darüber zu fliegen.

Schon im weiteren Anflug auf Zadar dann die nächste Überraschung. Ein kurzes Rucken des Thielert-Diesel und die rote Warnleuchte des FADEC-A blinkte. Ein Drücken auf die FADEC Taste brachte sie leider nicht zum Erlöschen sondern nun zum Dauerbrennen, was nach Flughandbuch die Landung am nächsten Flugplatz bedingte. Panik kam nicht auf und wir mussten auch keinen Luftnotstand deklarieren, da der Diesel weiter auf dem FADEC-B wie am Schürchen lief. Der Anflug war durchaus herausfordernd mit dem relativ starken Zadar-Wind von 15-20 kts mit ordentlicher Seitenwindkomponente. Aber auch die kleine EMNA meisterte dies. Glücklicherweise verfügt Zadar über eine der (oder der) besten Flugzeugwerft für Kleinflugzeuge und auch mittlere Jets. Leider war eine sofortige Diagnose des Thielert FADEC nicht möglich auf Grund des nicht passenden Datenkabels.

Die EMNA und die Mooney setzten noch zum Balaton fort und kamen am 17.8. wieder heil in EDQH an. Die ERPL Crew musste leider abbrechen, hatte aber noch am selben Tag einen Rückflug nach München buchen können. Als ob es nicht schon genug wäre, wurde dieser Flug dann um 23:00 gecancelled und eine Übernachtungsmöglichkeit musste gefunden werden. Am 17.8. kam auch diese Crew dann über München und mit dem Mietwagen dann abends in Nürnberg an einige Stunden nach den Balaton-Fliegern.



Maribor 

Maribor



 Gruppenfoto Maribor

Gruppenfoto in Maribor




Volker Melichar 2017